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Mit WLAN durch Wände sehen?
Kann man mit ganz normalem WLAN durch Wände sehen? Ich habe mir die Forschung angesehen: Ob jemand zu Hause ist und sich bewegt, lässt sich schon heute recht zuverlässig erkennen – mit WLAN-Sensing (IEEE 802.11bf) wird das sogar Standard in Routern. Am KIT in Karlsruhe wurden 99,5 % von 197 Personen an Gang und Körperform wiedererkannt, allein durch Mitlesen – aber nur nach vorherigem Ei...
Kann man mit ganz normalem WLAN durch Wände sehen? Ich habe mir die Forschung angesehen: Ob jemand zu Hause ist und sich bewegt, lässt sich schon heute recht zuverlässig erkennen – mit WLAN-Sensing (IEEE 802.11bf) wird das sogar Standard in Routern. Am KIT in Karlsruhe wurden 99,5 % von 197 Personen an Gang und Körperform wiedererkannt, allein durch Mitlesen – aber nur nach vorherigem Einlernen. Ein Bild oder Gesicht durch die Wand gibt es nicht. Was hilft: Bewegungserkennung im Router ausschalten, 5/6 GHz statt 2,4 GHz, Router in die Mitte der Wohnung, WLAN nachts per Zeitschaltung aus. Verschlüsselung hilft hier nicht. Sicherheit verstehen statt Angst haben – mehr auf secureit.icu
Das sage ich im Video
Kann man von außen durch eure Hauswände – also nicht durch die Fenster – erkennen, wie viele Personen sich darin aufhalten, ob sie sich bewegen oder gerade ruhen, ob sie außer Haus sind oder anwesend? Was ist Fiktion und was geht tatsächlich?
Tun kann man das tatsächlich, zu meiner Überraschung, wirklich mit WLAN. Manche Hersteller bieten so etwas schon an: Router mit einer Art „Motion Detection“, also Bewegungserkennung per WLAN-Signal. Und das funktioniert natürlich auch durch die Wände, denn Funkwellen gehen durch Wände.
Wenn so ein WLAN-Router funkt, sendet er Strahlen aus. Wenn ihr diese Strahlen kreuzt, indem ihr euch im Raum bewegt, verändert ihr das Signal – es wird unruhiger. Würde sich niemand bewegen, käme es immer gleichmäßig zurück. Der WLAN-Router erkennt das.
Wie kommt man von dieser Bewegung zu einer Identität? 2013 war es am MIT schon möglich, Bewegung hinter einer Wand zu messen. 2018, fünf Jahre später, konnte man schon Figuren erkennen. Und jede Person hat einen individuellen Gang. 2024 war es dann möglich, die Körperoberfläche aus einem WLAN-Signal dreidimensional nachzubauen.
Auch hier bei mir gleich ums Eck, in Karlsruhe am KIT, wurde ziemlich intensiv geforscht. Dabei geht es nicht um Hacking, das ist einfach Mitlesen – eine Art Funksignal-Sniffen. Der Lauscher kann draußen sitzen: Ihr schickt das Signal raus, es geht einfach durch die Wand nach draußen. Er muss gar nichts aktiv tun und kann einfach mithören. Die Trefferquoten sind ziemlich gut: 99,5 Prozent von 197 Personen wurden an Gang und Körperform erkannt. Aber jede Person muss vorher eingelernt werden.
Inzwischen gibt es auch einen neuen Standard: WLAN-Sensing. Damit kann ein WLAN-Router als Bewegungserkennung arbeiten. Man kann damit zum Beispiel schauen, ob sich ältere Menschen noch bewegen. Aber das hat immer zwei Seiten: Ein Einbrecher kann damit auch schauen, ob jemand zu Hause ist oder ob ihr gerade weg seid.
Was heute mit ganz einfachen Mitteln von außen geht: schauen, ob jemand zu Hause ist. Das lässt sich über die WLAN-Signale recht zuverlässig durch die Wand sehen. Man kann sicher auch Vitaldaten überwachen: Läuft die Atmung regelmäßig, gab es einen Sturz? Im Labor nachgestellt ist schon die Körperhaltung, also eine Art 3D-Bild. Dass jemand bei euch auf der Straße parkt und so etwas macht, halte ich im Moment aber für sehr unwahrscheinlich. Was nicht geht: euch optisch erkennen – wie ihr ausseht, welche Kleidung ihr tragt, euer Gesicht.
Was kostet so eine Überwachung? Stufe 1 – bewegt sich etwas im Haus? Das wird sehr günstig: ein WLAN-Chip für ein paar Euro, und mit KI bastelt man das am Wochenende zusammen. Stufe 2 – wer befindet sich im Haus? Da nimmt man einen Laptop, und wer ein bisschen Ahnung von IT hat, dem bringt die KI den Rest. Stufe 3 – was macht diese Person? Dafür braucht man spezielle Funkempfänger, das ist nicht einfach, teuer und zeitaufwendig. Das sehe ich noch im Labor. Immer nötig ist, dass man in der Funkreichweite eures WLANs steht.
Es gibt solche Router mit Bewegungserkennung schon. Schaltet sie lieber aus! Die Daten bringen euch nicht viel, sie werden meist in der Cloud gespeichert und sind dann wieder angreifbar. Schützen könnt ihr euch auch mit höheren Frequenzen: Die klassischen 2,4 Gigahertz gehen besser durch die Wand als 5 oder 6 Gigahertz – das kann man am Router einfach einstellen. Stellt den Router in die Mitte des Gebäudes, dann geht nicht so viel nach draußen. Und mit einer Zeitschaltung können die meisten Router nachts ausgehen. Was nicht hilft: Verschlüsselung. Das sind einfach Funksignale, die durch euch hindurchgehen und die ihr durch die Reflexion unterbrecht.
Mein Fazit: Es ist kein Röntgenblick. Aber es hat mich doch überrascht, dass es kein so großes Märchen ist, wie ich dachte. Das ist keine Fiktion mehr, es ist sogar ein Industriestandard geworden, und es gibt Produkte zu kaufen. Mir geht es darum, dass ihr das Ganze versteht – und dann auch keine Angst haben müsst.