Der Absender – Wem vertrauen?
Warum der Absender einer E-Mail nichts beweist: In einer Live-Demo wird gezeigt, wie sich mit wenigen Befehlen ein beliebiger Absender fälschen lässt.
Warum der Absender nichts beweist: In einer Live-Demo zeigt Patrick, wie sich per Telnet über das SMTP-Protokoll mit wenigen Befehlen ein beliebiger Absender fälschen lässt. Eine E-Mail ist damit keine unterschriebene, versiegelte Post, sondern eher eine offene Postkarte, fälschbar und unterwegs lesbar.
Nachdem wir wissen, wie eine E-Mail durchs Internet läuft, kommen wir zur ersten großen Fallstrick-Frage: Woher weiß der Empfänger eigentlich, wer der Absender wirklich ist?
Die ernüchternde Antwort: gar nicht sicher. Der empfangende Mailserver muss die Mail annehmen und die darin angegebene Absenderadresse akzeptieren, auch wenn sie frei erfunden ist.
Absender fälschen, eine Sache weniger Befehle
In der Live-Demo im Video wird gezeigt, wie sich das ausnutzen lässt. Mit dem simplen Werkzeug Telnet baut man eine textbasierte Verbindung zu einem SMTP-Mailserver auf und führt der Reihe nach ein paar Befehle aus:
- Der Server begrüßt mit einem
HELOund nennt seinen Namen. - Man gibt Absender (
MAIL FROM) und Empfänger (RCPT TO) an, erfolgreiche Befehle bestätigt der Server jeweils mit250. - Mit
DATAfolgt die eigentliche Nachricht samt Titel und Text; abgeschlossen wird sie mit einem einzelnen Punkt.
Fertig und schon landet eine E-Mail im Postfach, deren Absender und Inhalt komplett erfunden sind.
Der angezeigte Absender einer E-Mail ist kein Beweis. Er lässt sich mit wenigen Handgriffen fälschen. Leider nehmen noch immer sehr viele Mailserver einfach alles an.
Der treffende Vergleich
Die E-Mail wird gern „elektronische Post" genannt, als wäre sie ein verschlossener, unterschriebener Brief mit Poststempel. Das ist sie nicht.
- Ein Brief ist versiegelt, trägt einen Stempel und eine Unterschrift, die den Absender bestätigt.
- Eine E-Mail kann in Absender und Inhalt gefälscht, auf dem gesamten Transportweg mitgelesen und sogar verändert werden.
Eine E-Mail gleicht also eher einer maschinell geschriebenen Postkarte, die offen für alle lesbar im Briefkasten liegt. Nachträglich lässt sich zwar mit Hilfe der beteiligten Server und meist nur per Gerichtsbeschluss zurückverfolgen, ob eine Mail echt ist. Als Anwender können wir das aber nicht, wir müssen dem Inhalt vertrauen, solange die Mail keine besonderen Prüfmerkmale trägt. Und die fehlen im Standard.
Wie prüfen Sie, ob eine Absenderadresse vertrauenswürdig ist?
Mehrere Antworten können richtig sein.
Der angezeigte Name lässt sich frei fälschen. Entscheidend ist die echte Adresse dahinter – und ob die Domain exakt stimmt oder nur täuschend ähnlich aussieht.